Abschied von der D-Mark
- eine Legende geht

 

Die (wahre) Geschichte einer Währungsreform
Mit 40 DM fing es an
Sachwerte waren von der Währungsreform nicht betroffen - Sparvermögen hingegen wurden bis zu 35% gestrichen
Die Ostmark: Das Gegenteil einer Erfolgsstory
Auf dem Weg zu einer Weltwährung
Mit der Bundesbank kam auch die international bewunderte Stabilitätspolitik
Trotz allem umstritten: Der Euro
Fazit

 

Die (wahre) Geschichte einer Währungsreform

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Einführung der D-Mark am 20. Juni 1948 die erfolgreichste Epoche in der Geschichte (West-) Deutschlands einläutete. Sie bedeutete einen entscheidenden und entschlossenen Schritt in der Nachkriegszeit. Die Generation unserer Eltern und Großeltern wurde mit einer Währung ausgerüstet, die es ihnen gestattete, einen völligen Neubeginn zu wagen.

Stellen wir also einmal die Frage: Wie ging diese Umstellung eigentlich vonstatten? Zunächst war die Ausgangslage kritisch: ein wirtschaftlicher Neuanfang und Wiederaufbau des zerstörten Deutschland konnte nur mit einer umfassenden Reform des Geldwesens gelingen. Da sich die Besatzungsmächte (USA, Frankreich, England und UdSSR) jedoch uneins waren, nahmen die USA schließlich das Heft in die Hand. Im April 1948 riefen sie einen aus deutschen Fachleuten bestehenden Währungsausschuß ins Leben und nahmen in streng geheimen Beratungen die Währungsreform in Angriff. Die sowjetische Militärregierung wußte davon nichts – und auch in der Bevölkerung sollte nichts von den streng geheimen Beratungen durchsickern; lediglich etwa ein Dutzend Fachleute war über den genauen Termin informiert, an dem die „Deutsche Mark“ eingeführt werden sollte.

Die bis dahin in West wie Ost gültige Reichsmark wurde endgültig am 21. Juni 1948 als Handelsmünze der westlichen Besatzungszonen abgeschafft. Das hierzu nötige Gesetz verkündeten die Alliierten erst am 18. Juni 1948. Bereits am Sonntag den 20. Juni 1948 begann dann der Umtausch.

Die in den USA bereits Monate zuvor gedruckten und ähnlich wie Dollarnoten aussehenden D-Mark-Scheine wurden ab 8 Uhr morgens über die Lebensmittelkartenstellen ausgehändigt: 40 DM wurden pro Kopf der Bevölkerung gegen 60 Reichsmark eingetauscht; weitere 20 DM gab es zwei Monate später. Arbeitgeber erhielten je Lohnempfänger einen später mit Reichsmarkbeständen zu verrechnenden Vorschuß von 60 DM.

 

Mit 40 DM fing es an

Zunächst wurde mit Scheinen gehandelt, die ab einer halben Mark erhältlich waren. Übergangsweise konnten Reichspfennigmünzen weiterverwendet werden, bis die erste Pfennigmünze Ende 1948 geprägt wurde und Anfang 1949 in Umlauf kam – übrigens das einzige bis heute in seiner ursprünglichen Gestalt und Form erhaltene Geldzeichen aus dem Jahr der Währungsreform und mit Sicherheit das einzige Zahlungsstück, das die ganze Epoche der D-Mark überleben wird.

„Mit der Mark begann ein neues Leben“, so die einhellige Aussage vieler Befragter, die die Währungsreform damals miterlebten. Was in den Jahren 1945-1948 geschehen war, saß (ganz abgesehen vom schrecklichen Krieg und seinen erschütternden Folgen) wie ein Trauma in den Gliedern der Bevölkerung: der von den Alliierten verhängte Lohn- und Preisstopp hatte die Wirtschaft praktisch zum Erliegen gebracht; Geld konnte fast nur noch auf dem Schwarzmarkt zur Deckung des täglichen Bedarfs umgesetzt werden. Doch die Preise waren entsprechend: ein Kilo Kaffee kostete bis zu 1.500 RM, eine Glühbirne ca. 50 RM, eine Zigarette 6 RM. Das Durchschnittseinkommen betrug jedoch nur 200 RM! Man kann sich vorstellen, wie der Tauschhandel blühte. Lebensmittel waren offiziell rationiert und nur gegen Lebensmittelkarten erhältlich – so wie dies auch in den letzten Kriegsjahren der Fall gewesen war.

Und nun kam also die DM. Was jedoch geschah mit Sparvermögen, Hypothekenkrediten, sonstigen Schulden oder Guthaben? Eine Flucht in die Sachwerte setzte sofort ein, als die ersten Gerüchte von einer bevorstehenden Währungsreform im April 1948 durchzusickern begannen. Doch da niemand Genaues wußte, blieb die Reaktion auf breiter Front eher verhalten. Erst mit offizieller Bekanntgabe der DM-Einführung wurde nun offenbar, wer die Gewinner und wer die Verlierer waren:

 

Sachwerte waren von der Währungsreform nicht betroffen - Sparvermögen hingegen
wurden bis zu 35% gestrichen

Wer Häuser besaß, mußte in keinster Weise um sein Vermögen fürchten. Die Sachwerte blieben von der Umstellung unberührt. Eher im Gegenteil: Da die Mieten im Verhältnis 1:1 umgestellt wurden (!!), verzeichnete nun der Mietshausbesitzer einen unschlagbaren Vorteil. Denn Reichsmarkguthaben, Schulden und Forderungen wurden, wie am 26. Juni 1948 bekanntgegeben, im Verhältnis 1:10 umgerechnet – also je zehn Reichsmark gegen eine Deutsche Mark! Doch damit nicht genug: Wer etwa nun glaubte, über dieses „neuertauschte“ Geld (sein eigenes also) frei verfügen zu können, der hatte sich geirrt: Die Hälfte dieser Barvermögen wurde nämlich gleich nach dem Umtausch eingefroren – und wer danach immer noch mehr als 5.000 DM auf dem Konto hatte, der brauchte eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes, um über sein Geld verfügen zu können. Der Hintergedanke war klar: Auf diese Weise wollte man Schwarzgelddepots und Steuersündern auf die Schliche kommen. Wer hohe Reichsmarkbestände gehortet hatte oder sich Geld aus dem bis dahin blühenden Schwarzmarkthandel akquiriert hatte, der blickte nun also unter Umständen äußerst dumm in die Röhre.

Am 4. Oktober 1948 folgte endgültig das böse Erwachen für viele: Das Vierte Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens entschied ganz einfach, daß 70% aller bis dahin eingefrorenen Spar- und Bankeinlagen – gestrichen wurden! Die Umstellung von RM auf DM betrug letztendlich sage und schreibe unter dem Strich 100:6,5 – mit anderen Worten, für 100 RM wurden lediglich 6,50 DM bezahlt. Diese Härte wurde nachträglich (1953) allerdings wieder etwas gemildert, indem Spareinlagen, die schon vor 1940 bestanden hatten, „nur“ im Verhältnis 5:1 abgewertet wurden.

Pfandbriefe und sonstige Schuldverschreibungen wurden mit 10:1 umgestellt, Schulden und Kredite ebenfalls mit 10:1 umgerechnet. Man kann leicht erkennen, daß Geldschuldner durch diese Abwertung einen erheblichen Vorteil einfuhren. Der Fiskus ließ diesen Vorteil jedoch nicht lange währen: Durch das Lastenausgleichsgesetz wurde 1952 geregelt, daß die so erlangten Vorteile in Form einer Kreditgewinnabgabe bzw. Hypothekengewinnabgabe zu erstatten seien, und zwar über einen Zeitraum von 30 Jahren; das ließ sich wegstecken angesichts der in barer Münze durch die Schuldenentwertung erhaltenen Vorteile.

 

Die Ostmark: Das Gegenteil einer Erfolgsstory

Noch eines war gegeben: Die ausgegebenen Banknoten und Münzen waren nicht mehr wie bei früheren Währungsreformen durch Edelmetall, Devisen oder andere Güter gedeckt. Umso erstaunlicher war die Entwicklung der Mark, die nun das Fundament bildete, auf dem sich der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder bis weit in die sechziger Jahre hinein entfalten konnten.

Der Vollständigkeit halber sei die Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone noch nachgetragen: aus Angst vor einem Reichsmarkabfluß in die „Ostzone“ wurde vier Tage nach Einführung der D-Mark dort die Ostmark in Umlauf gebracht. Dabei wurden 70 RM in 1 Ostmark umgetauscht. Darüber hinausgehende Bar- und Kassenvermögen wurden in einem Verhältnis von 10:1 eingewechselt; wer mehr als 5.000 RM tauschen wollte, mußte den rechtmäßigen Erwerb erst einmal beweisen.

Es gab einige Besonderheiten und Unterschiede zu den im Westen herrschenden Umtauschrelationen; zu erwähnen wäre da etwa, daß Steuerschulden mit 1:1; Forderungen der Bürger gegen den Fiskus dagegen zugunsten des Staates mit 1:10 umgetauscht wurden.

Der Streit um die Währung führte bekanntermaßen zur Blockade Westberlins, denn die Sowjets wollten nicht, daß dort mit der neuen Währung Westdeutschlands gehandelt werden durfte. So kam es, daß bis zum 20. März 1949 in Westberlin mit zwei Zahlungsmitteln – der D- wie der Ostmark – gewirtschaftet wurde. – Über die weitere Geschichte der Ostmark wäre es müßig, auch nur ein Wort zu verlieren; eine internationale Bedeutung hat sie bis zu ihrer Abschaffung 1990 niemals erlangt.

 

Auf dem Weg zu einer Weltwährung

Der Aufstieg der D-Mark als international anerkannte und immer begehrtere Währung dagegen ging nun rasch vonstatten: Kein geringerer als Ludwig Erhard, damals Direktor der Wirtschaftsverwaltung des „Vereinigten Wirtschaftsgebietes“, erklärte am 20. Juni 1948 das Ende der Zwangswirtschaft – womit er sich bei den Alliierten höchst unbeliebt, in Deutschland jedoch viele Freunde machte. Mutig nahm dieser Mann fast im Alleingang den Übergang zu einer freien Wirtschaftsordnung in Angriff – hob alle Bedenken beiseite und fand sich schon ein Jahrzehnt später in seiner Wirtschaftspolitik mehr als bestätigt. Zu Recht gilt er als einer der Väter des Wirtschaftswunders; der Lebensstandard hatte sich binnen zehn Jahren hierzulande um etwa zwei Drittel verbessert.

Bereits in den 60-er Jahren wurde die D-Mark zu einer Spitzenwährung in der Welt, neben dem Schweizer Franken war sie praktisch unangefochten die stärkste Währung in Europa und ist es auch bis heute geblieben. Kaum noch in Erinnerung ist, daß erst 1958 wieder eine freie Konvertibilität mit anderen Währungen ermöglicht wurde, das heißt, die freie Austauschbarkeit auf dem internationalen Devisenparkett wieder gegeben war.

Erst 1957 wurde die Bank Deutscher Länder durch die Bundesbank als Zentralnotenbank abgelöst. Sie erhielt das alleinige Recht zur Ausgabe von Banknoten. Nach wie vor gab es keine Deckungsvorschriften für den Geldumlauf; jedoch sollten die Handlungen und Entscheidungen der Währungshüter darauf ausgerichtet sein, einen gesunden Stabilitätskurs zu fahren. Von Anfang an war die Bundesbank ein unabhängiges Gremium, das zwar die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung unterstützen, aber in jedem Fall in ihren Entscheidungen von Weisungen der Regierung unabhängig sein sollte. Dank dieser Autonomiestellung gelang es, die D-Mark in den 70-er Jahren zu einer der begehrtesten Währungen der Welt werden zu lassen.

 

Mit der Bundesbank kam auch
die international bewunderte Stabilitätspolitik

Erstaunlich ist, daß erst im Jahre 1988 der Altvater der D-Mark, Ludwig Erhard, die Ehre erfuhr, auf einer Münze (dem 2-Mark-Stück) „verewigt“ zu werden; bereits vor ihm hatten dies Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Kurt Schumacher geschafft. Und noch ein bemerkenswertes Ereignis ist in der Historie der D-Mark zu verzeichnen: im Jahr 1975 wurden die bis dahin verwendeten Silbermünzen (5-Mark-Stück) durch eine Kupfernickelmünze abgelöst; damit endete in Deutschland die mehr als 2000 Jahre dauernde Ära des Edelmetallgeldes.

Die internationale Stellung der D-Mark gewann so richtig an Fahrt und Bedeutung, nachdem das Festkurssystem der Wechselkurse 1973 zusammenbrach. Schnell verloren andere Währungen, darunter auch der US-Dollar an Boden, während die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Anlagewährung der Welt avancierte. Während 1973 erst 2% der Weltdevisenreserven in D-Mark angelegt waren, erhöhte sich dieser Anteil bis Ende 1987 auf 14% - gleich hinter dem US-Dollar (74%).

Am 13. März 1979 wurde mehr oder weniger bereits das Ende der D-Mark eingeläutet. Mit der Einführung des Europäischen Währungssystems kam eine Kunstgröße ins Spiel, die als Vorläufer des Euro den Namen Ecu trug; eine Währungseinheit, die sich zu einem Drittel aus D-Mark und zwei Dritteln aus den Währungen der restlichen EU-Ländern zusammensetzte. Daß der Ecu von 1979 bis 1990 um 25% an Wert gegenüber der D-Mark verlor, läßt ahnen, welche inflationären Entwicklungen sich erst abzeichnen, wenn der eigentliche Stabilitätsanker des europäischen Währungssystems – die D-Mark eben – abgeschafft wird und dieses System sozusagen seinen eigenen Kräften überlassen bleibt.

 

Trotz allem umstritten: Der Euro

Gegner des Euro führen viele Gründe für den Erhalt der D-Mark ins Feld. Nur einige davon seien hier erwähnt:

Der Gesetzgeber hat uneingeschränkte Macht, nach Belieben zu entscheiden. Weder Volkes Stimme wird gefragt, noch wird die Bevölkerung überhaupt genau aufgeklärt, was denn nun wie geschehen soll.

Warum wohl werden Steuererklärungen bis 2002 in DM abgegeben? Der Gedanke liegt nahe, daß man gerade in den ersten Jahren der Umstellung einem möglichen Kaufkraftverfall des Euro vorbeugen möchte.

Es ist müßig, über die Auswirkung auf gehortete größere Barbestände zu diskutieren. Wer Schwarzgeld in umfangreichem Maße in DM irgendwo „gebunket“ hat, ist gut beraten, sich frühzeitig darüber Gedanken zu machen, ob er nicht doch per Selbstanzeige einer staatlichen Bestrafung vorbeugen sollte. In jedem Fall wird es schwer werden, die alte DM in den neuen Euro zu tauschen, ohne daß darüber genaue und genaueste Aufzeichnungen geführt werden.

Hinzu kommt: Die derzeitige Inflationsrate in Europa ist auf bedenkliche Weise niedrig: sie zeigt zumindest ein zögerliches Kaufverhalten mit einer Neigung dazu, Geld eher zu horten als es in den Kreislauf zu bringen. Daraus könnte eine Art explosives Gemisch entstehen: die hohe Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung und die zunehmende Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten bilden nicht gerade den Stoff, aus dem beruhigende Zukunftsträume gemacht sind...

 

Fazit: Jetzt mehr denn je
in Sachwerte investieren

Kein Zweifel: In dieser Zeit schläft der auf einem sanften Ruhekissen, der seine Sachwerte im Trockenen hat, sprich fernab jeder möglichen willkürlichen Entscheidungen des Staates, sein Geld angelegt hat.

 

Zum Seitenanfang

 

 

impressum

english

 

Oder rufen Sie uns einfach an, wenn das, was Sie suchen, hier nicht zu finden ist:

AllGrund Ltd.
Tel: 06103 / 310847
oder +49 (0)700 1010 7000
12 ç pro Minute aus dem dt. T-Com Festnetz


email: contact @ allgrund.com

| Kaufobjekte | Kaufanfrage | Mietobjekte | Mietanfrage | allgemeiner kontakt | aktuelle news|
| Immobilie zum Verkauf anbieten | immobilie zum vermieten anbieten | home | archiv | agb | impressum |
Copyright © 1997-2009 by AllGrund Ltd. Alle Rechte vorbehalten. Inhalt, Design und Konzeption sind geistiges Eigentum der AllGrund Ltd. und durch Internationales Urheberrecht geschützt. AllGrund ist eine eingetragene Marke (®) mit der Nr. 302008004170 Deutsches Patent- und Markenamt in München sowie ein Internationales Registered Trade Mark(™) eingetragen bei der World Intellectual Property Organization in Genf mit der internationalen Registriernummer 978744. Kein Teil dieser Website, kein Bild- oder sonstiges Material darf ohne Genehmigung der Copyright-Inhaber kopiert, gedruckt oder verwendet werden. Druckversionen der angebotenen Objekte sind nur für den Gebrauch durch Kauf- oder Mietinteressenten.
Aktuelle Kaufangebote:
Aktuelle Mietangebote:
Wichtiger Hinweis: Jegliche Auswertungen, Ratschläge und Hinweise auf unseren Informations- und Internetseiten sind zumeist subjektive Auswertungen und dienen lediglich der allgemeinen Orientierung von Immobilieninvestoren. Sie erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder immerwährende Gültigkeit. Die meisten Immobilieninformationen beruhen auf Gegebenheiten oder gesetzlichen Regelungen (Steuern, WEG, Mietrecht u.v.m.), die zum Zeitpunkt, als der Text verfaßt wurde, gerade aktuell oder von Interesse für Immobilienerwerber gewesen sein mochten. Diese Gegebenheiten und gesetzlichen Grundlagen - insbesondere auch steuerliche Aspekte - können sich mittlerweile geändert haben. Vor jedem Immobilienerwerb empfehlen wir daher das Einholen aktueller Daten über Immobilienmärkte, steuerliche und andere gesetzliche Regelungen und Neuerungen, soweit diese für den objektiven und subjektiven Erfolg des Investments von Bedeutung sein könnten.